Badische Zeitung vom 24. Juni 2008

Badische Zeitung vom Dienstag, 24. Juni 2008 

Der Protest wächst — buchstäblich 

Mit einer Pflanzaktion auf der künftigen Baustelle des "Green Business Center" melden sich die Kritiker des Projekts wieder zu Wort


Von unserem Mitarbeiter Andreas Peikert


VAUBAN. Die Botschaft ist eindeutig. "Pflanzenpark statt Betonklotz" steht in einem Flugblatt, mit dem verärgerte Vauban-Bürger gegen die Errichtung eines Gebäudekomplexes am Eingang des Stadtteiles zu Felde ziehen. Um eine Alternative zu dem Vorhaben aufzuzeigen, wurde ein Teil des derzeit als Autoabstellfläche genutzten Areals in einen provisorischen Park verwandelt. Rolf Buschmann, Architekt des geplanten "Green Business Center" , kritisiert die Aktion als "zahnlosen Protest" , die Stadt als Grundstückseigentümerin sieht keinen Handlungsbedarf. 


"Es ärgert mich, dass immer mehr freie Flächen in der Stadt überbaut werden" , sagt Renate Müller, während sie die neue angelegten Beete auf der Bald-Baustelle bei brütender Hitze mit einem Wasserschlauch vom nahen "Susi" -Wohnprojekt besprenkelt. Die Sozialarbeiterin wohnt seit zwei Jahren in der nur einen Steinwurf entfernten Vaubanallee. Das geplante vierstöckige und 100 Meter lange Gewerbegebäude ist für sie ein "hässlicher Klotz" , der zusätzlichen Verkehr anziehe und nicht in die gewachsene Struktur des Stadtteils passe. Durch das Bauwerk sei zudem eine beträchtliche Minderung der Lebensqualität zu befürchten. Völlig unverständlich sei, dass im "Green Business Center" Büroräume vermietet würden, während gleichzeitig im Gewerbegebiet Haid und an der Heinrich-von-Stephan-Straße eine größere Anzahl von Immobilien leer stünden. "Ähnlich wie bei der geplanten Umgestaltung des Platzes an der Alten Synagoge stehen auch hier weniger die Bedürfnisse der Bürger als vielmehr das Renommierbedürfnis der Stadtoberen im Fokus der Planung " , so die knapp 30 Aktivisten in einer Pressemitteilung. Die Pflanzungen hatten ihren Ursprung im stadtweiten Aktionsmonat "Die Utopie leben" , der im Mai begann. 


Überrascht und verärgert reagiert Rolf Buschmann, Architekt und Projektkoordinator des "Green Business Center" , auf die symbolische Aktion beim Paula-Modersohn-Platz. "Dort sind Personen am Werk, die bewusst mit falschen Zahlen und Plänen einen unlauteren Widerstand leisten" , so Buschmann gegenüber der BZ. Er betont, dass alle Nachbarn und Grund stücks anrainer zur Bauvoranfrage angehört worden seien. Buschmann: "Hinter dem Protest steht nicht der gesamte Stadtteil. Es sind nur einige wenige, die auf die Barrikaden gehen." 


Nach Angaben Buschmanns gehört das Grundstück immer noch der Stadt Freiburg, der Kauf solle aber bald erfolgen: "Die notarielle Besiegelung findet in absehbarer Zeit statt. Zum Jahresende wird mit den Tiefbauarbeiten begonnen." Bei einer Bauzeit von 15 Monaten sei eine Fertigstellung spätestens Anfang 2010 vorgesehen. Im Februar hatte Buschmann der BZ noch mitgeteilt, der Kaufvertrag werde kurz nach Ostern notariell beglaubigt, und Baubeginn sei nach den Sommerferien. Vor einem Jahr war sogar von einer Fertigstellung des gesamten Projektes im Herbst 2008 die Rede. Mit dem "Green Business Center" an der Merzhauser Straße wollen die Planer ein "gewerbliches Ausrufezeichen" für Freiburgs modernen Stadtteil setzen. Auf vier Stockwerken sollen in dem verglasten und begrünten Gebäudekomplex Ladenflächen, Arztpraxen, Gastronomie sowie Büroräume angesiedelt werden.


Auf Anfrage der BZ teilte Petra Zinthäfner von der städtischen Pressestelle gestern mit, die Pflanzaktion auf dem städtischen Grundstück sei der Verwaltung bekannt. Dagegen vorzugehen werde aber als unverhältnis betrachtet, zumal keine weiteren Störungen davon ausgingen. Auch die Nutzung als Parkfläche sei eigentlich nicht rechtens: Vielmehr sei die Umzäunung mehrmals durch Unbekannte geöffnet oder entfernt worden sei. Bis zum Sommerpause erwarte die Stadt von den Investoren eine definitive Entscheidung zum Erwerb der Areal.