Station 11 – rasthaus

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Station 11 – rasthaus

P1060927  rasthaus-Idee

  rasthaus-Geschichte

  rasthaus-Gruppen

  rasthaus-Finanzierung

 

 ANLAUFSTELLE: WO DER PASS KEINE ROLLE SPIELT

Das rasthaus ist eine Anlaufstelle für Geflüchtete und Menschen ohne Papiere. Die Idee für ein rasthaus in Freiburg entstand im April 1998 als Antwort auf die damals vorherrschende rassistische Stimmung und Politik in Deutschland.

Nachdem es bereits eine Rechtsberatung und eine medizinische Anlaufstelle für Geflüchtete gab, konnte 2001 die Idee eines kleinen rasthauses in zwei Räumen auf dem Grethergelände realisiert werden. 2005 zog das Projekt in größere Räume; ebenfalls auf dem Grethergelände. Das ratshaus wird aktuell hauptsächlich von fünf Gruppen genutzt: Medinetz (medizinische Versorgung), SAGA (Rechtsberatung), Aktion Bleiberecht (Öffentlichkeitsarbeit zum Themenbereich Flucht und Migration), Deutschkurse, die kostenlos und mehrmals die Woche stattfinden sowie dem Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung, welches sich derzeit besonders um geflüchtete Roma kümmert. Mit diesen Angeboten will das rasthaus eine Anlaufstelle für Geflüchtete sein, in der Pass, Herkunft und finanzielle  öglichkeiten keine Rolle spielen.

Es ist gleichzeitig ein offener Raum, der nicht nur von den oben genannten Gruppen genutzt wird, sondern prinzipiell allen offen steht. Die Räume können auf Anfrage von anderen Gruppen genutzt werden. Geflüchteten steht die Nutzung generell offen – so bietet das rasthaus neben seinen Räumen auch die kostenlose Nutzung von Internet Telefon und Klavier sowie einmal im Monat ein gemeinsames Abendessen an – für alle, die Lust haben. Viele der Aufgaben, die durch das rasthaus und die darin aktiven Gruppen übernommen werden, gehören eigentlich in den Aufgabenbereich des Staates. Solange sich dieser jedoch weigert, eine menschenwürdige Versorgung von Geflüchteten zu gewährleisten, ist das Projekt unabdingbar. Da eine baldige Veränderung der bestehenden Verhältnisse in diesem Bereich nicht zu erwarten ist, versucht das rasthaus seine Arbeit auszudehnen.

Die Idee bzw. der Wunsch in ein größeres Gebäude zu ziehen, das nicht nur Anlaufstelle für Geflüchtete, sondern Ort der Zusammenkunftfür jegliche Menschen sein soll, besteht schon lange. So soll ein größeres rasthaus, neben den bestehenden Angeboten, auch als Hotel und Café fungieren, eine internationale Bibliothek und weitere Angebote wie z.B. eine Wohnungsvermittlung beherbergen. Zurzeit wird in Freiburg über die Nutzung des 2016 frei werdenden Geländes der Polizeiakademie diskutiert. Das Netzwerk „Recht auf Stadt“ erarbeitete die Idee eines „Stadtteils von unten“, der auf diesem Gelände entstehen könnte. Im Rahmen eines Mietshäusersyndikat-Projektes könnte dort dauerhaft gebundener, günstiger Wohnraum sowie Raum für politische Projekte entstehen. Die Idee eines größeren rasthauses könnte dort verwirklicht werden.

 

Selbstverständnis vom rasthaus

Das rasthaus ist ein unabhängiges, selbstverwaltetes Projekt in Freiburg und wird von verschiedenen Gruppen der kommunalen Flüchtlingsbewegung getragen.

Mit den unter einem Dach engagierten Initiativen bietet das rasthaus eine solidarische Anlaufstelle für migrierte und geflüchtete Menschen. Nach Papieren wird nicht gefragt. Rechtsberatung, Sprachkurse, niedrigschwelliger Zugang zu medizinischer Versorgung, Diskussionen und die Planung von politischen Aktionen und Veranstaltungen bestimmen derzeit den Rahmen des rasthauses. Damit bietet das rasthaus Raum des Kennenlernens und des Widerstands gegen eine diskriminierende, rassistische und marginalisierende Politik.

Finanziell wird das rasthaus durch regelmäßige Spenden zahlreicher Patinnen und Paten getragen. Das vor etwa 15 Jahren gegründete rasthaus-Projekt war eine Antwort auf die defacto Abschaffung des Grundrechts auf Asyl 1993, die systematische Entrechtung und Diskriminierung von Geflüchteten und die rassistische öffentliche Stimmungsmache, die nach der Neugründung Deutschlands 1990 in pogromartigen Anschlägen auch in Südbaden ihren Tiefpunkt fand und bis heute in zahlreichen rassistischen Übergriffen fortbesteht.

Die rasthaus-Initiative entspringt der Idee ein offenes Haus zu sein. Vor allem aber soll in dem Haus Platz für Ideen sein, welche Geflüchtete mit nach Freiburg bringen. Ein Ort, an dem Geflüchtete willkommen sind und an dem sie auf Menschen treffen, die ihnen ihr Bleiberecht nicht absprechen wollen. Ein Kaufbegehren eines geeigneten Objekts hierfür wurde 2002 durch den Stadtrat Freiburg abgelehnt. Die sich aktuell auf dem Grethergelände befindlichen Räumlichkeiten des mini-rasthaus bilden nun eine Zwischenlösung. Sie sind Raum für Solidarität, Rat und Tat, Begegnung, Widerstand und ein erster Schritt auf dem Weg zu einem großen RASTHAUS.